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Aktuelles zur Corona App

Um die Pandemie einzudämmen, setzen viele Staaten auf Apps, deren Nutzung zumindest in Deutschland und in fast allen europäischen Staaten freiwillig sein wird, aber auf dem Prinzip einer umfangreichen technologischen Überwachung basieren. In Deutschland wurden die Unternehmen Telekom und SAP von der Bundesregierung damit beauftragt, eine entsprechende Anwendung zu entwickeln. Schon vor einigen Monaten sprach Telekom-CEO Timotheus Höttges auf der Digital X Konferenz davon, dass sich im Vorfeld nicht genug Gedanken über den Datenschutz gemacht wurden. Auch Hauptredner Edward Snowden äußerte Bedenken und sprach Deutschland eine wichtige Rolle in der weltweiten Entwicklung entsprechender Datenschutzrichtlinien zu.

Die grundlegenden Funktionen der App wurden schon vor einiger Zeit festgelegt. Alle aktuellen Mobilfunkgeräte verfügen über Bluetooth. Diese Funkverbindung soll dazu genutzt werden, Geräte in der Nähe zu identifizieren. Wird bei einem Nutzer der App Corona diagnostiziert, soll diese Information an alle Geräte weitergeleitet werden, die sich in den Tagen zuvor in dessen Nähe befunden haben. Allerdings müssen die Entwickler einige technische und datenschutzrechtliche Hürden überwinden. Auf Bluetooth statt zum Beispiel auf GPS zu setzen, ist datenschutztechnisch schon einmal der richtige Ansatz, denn Bluetooth kann sowohl die Zeit als auch die Geräte in der Nähe bestimmen, nicht aber den genauen Standort. Dafür gibt es große Schwankungen bei der Sendeleistung, wodurch die Messung des genauen Abstands zweier Geräte nur schwer zu realisieren ist. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass eine Übertragung des Viruses möglich ist, wenn sich zwei Personen, von denen eine das Virus in sich trägt, über einen Zeitraum von mindestens 15 Minuten und einem Abstand von maximal zwei Metern begegnen. In Singapur, wo eine entsprechende App schon früher entwickelt wurde, wurde die kritische Kontaktzeit bereits auf 30 Minuten erhöht, nachdem sich die Entwickler der Ungenauigkeit der Bluetooth-Daten bewusst wurden.

Der nächste Schritt ist die Integration der Funktionen auf den unterschiedlichen Devices. Apple und Google, die beiden Unternehmen, die zusammen die Betriebssyteme für ca. 99 Prozent aller Mobilgeräte bereitstellen, haben gemeinsam eine Schnittstelle geschaffen, die mit den kommenden Updates ausgeliefert werden soll. Ob diese Schnittstelle sicher ist und nicht von Dritten ausgenutzt werden kann, wird sich aber vermutlich erst zeigen, wenn sie auf den meisten Geräten schon aktiviert sein wird.

Zudem stellt sich die Frage, wie Informationen anonymisiert und wo sie gespeichert werden. Frankreich zum Beispiel besteht auf eine zentrale Speicherung auf Servern, wohingegen die Telekom und SAP in Deutschland und viele andere Staaten eine dezentrale Sicherung der Daten direkt auf den Geräten vorsehen. Dabei werden in regelmäßigen Abständen IDs von der App generiert, die nur für einen bestimmten Zeitraum gültig sind. Die Liste der IDs der sich in der Nähe befindlichen Geräte wird dann für ein bis zwei Wochen aufbewahrt, um im Falle einer Ansteckung eben diese Geräte zu identifizieren und eine entsprechende Warnung an deren Besitzer zu versenden. So könnten sich die Personen, bei denen eine Ansteckung als möglich eingestuft wurde, direkt in Quarantäne begeben bzw. testen lassen und so eine unkontrollierte Verbreitung verhindern.

So sinnvoll die App auch ist und trotz aller Sicherheitsvorkehrungen besteht doch ein gewaltiges Missbrauchsrisiko, sollten vor dem Start der App im Juni diesen Jahres nicht alle Schwachstellen aufgedeckt worden sein. Um das Vertrauen in die App in der Bevölkerung zu stärken, informieren die Entwickler seit kurzem auf der offiziellen Website über den aktuellen Stand.